Halb verfallen, voller schadstoffhaltiger Abfälle und ein bisschen gespenstisch: Knapp ein Jahrzehnt nach der Insolvenz der galvanischen Anstalt Vollmerhaus lief in deren gefluteten Kellerräumen noch immer eine wassergetriebene Turbine. Diese endgültig stillzulegen, zählte zu den zahlreichen Herausforderungen bei der Sanierung dieser Altlast.
Eine galvanische Anstalt samt Gießerei und Kaltwalzwerk gründete Alfred Vollmerhaus 1954 im Plettenberger Ortsteil Himmelmert. Bis zur Insolvenz im Jahr 2012 führte der Betrieb eine Vielzahl von Oberflächenveredelungen durch, darunter Verzinken, Verchromen, Vercadmen, Verkupfern und Vermessingen. Eine entsprechende Vielzahl unterschiedlicher Schadstoffe fand sich daher in der Betriebsstätte sowie in Boden und Grundwasser.
Stark belastete Galvanikstäube sowie Gebinde und ASP-Container voller wassergefährdender Stoffe waren im gesamten Gebäude verteilt, dessen Verfall sich durch Vandalismus deutlich beschleunigt hatte. Aus den gefluteten und deshalb nicht betretbaren Kellern war während der ersten Begehung des Gebäudes permanent ein starkes Wasserrauschen zu hören. Erst bei der Sanierungsuntersuchung fand der beauftragte Gutachter die Ursache dafür: Eine Druckleitung speiste nach wie vor eine alte Turbine und aus der defekten Rohrleitung rauschte stetig Wasser in den Keller.
Leitungssuche mit Kamerabefahrung
Da auch die Turbine marode war, bestand die Gefahr, das System könne platzen. Das hätte zusätzlich Schadstoffe aus Behältern und Anlagenteilen freigesetzt. Auf welchem Wege, das war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Denn die galvanische Anstalt hatte ein eigenes System zur Abwasser-Aufbereitung betrieben und der Verlauf der entsprechenden Leitungen und Gräben konnte erst während des Rückbaus erkundet werden. Fest stand jedoch: Vor der Räumung der Keller und vor dem Rückbau des Gebäudes musste der Wasserzulauf zur Turbine unterbunden werden.
Bach-Wasser speiste marode Turbine
Bei Suchschürfen auf dem Gelände der ehemaligen Galvanik fand man diesen Zulauf in etwa 60 Zentimetern Tiefe: ein rund 360 Meter langes Gussrohr mit einem Durchmesser von rund 1,20 Metern, das bis zum Oesterbach führte. Es wurde sowohl im Zufluss des Bachs, welcher hierfür aufgestaut wurde, sowie auf dem Gelände verschlossen, der Wasserzulauf vom Bach zur Turbine war gestoppt – und man konnte die gefluteten Keller leerpumpen. Damit sie nicht auf andere Weise wieder vollliefen, wurde eine defekte Dachentwässerung gerichtet.
Geflutete Keller leergepumpt
Das Wasser aus dem Ost-Keller war nur gering belastet und wurde in den örtlichen Abwasserkanal eingeleitet. Im West-Keller hingegen war das Wasser stark mit Schwermetallen, PAK und PFAS belastet und musste genauso fachgerecht entsorgt werden wie die Gebinde mit wassergefährdenden Stoffen und acht ASP-Container mit Filterkuchenmaterial.
Galvanik-typische Stoffe im Abstrom
Sieben neue Grundwassermessstellen wurden dann für die Sanierungsuntersuchung errichtet. Damit wies man im Abstrom eine Belastung mit den gleichen galvanik-spezifischen Substanzen nach, die auch in den Stäuben innerhalb der ehemaligen Betriebstätte gefunden wurden – vor allem Chrom, Zink, Kupfer, Cyanide und Kohlenwasserstoffe.
Hochbelastete Stäube händisch entfernt
Diese hochbelasteten Stäube mussten vor dem Rückbau händisch oder mit Hilfe eines Industriestaubsaugers aufgenommen und in Big Bags gesichert werden. Um die mobilen Chrom-VI-Anteile zu harmloserem Chrom III zu reduzieren, brachte man Eisen-II-Chlorid auf – das machte die Arbeit wesentlich sicherer. Separiert und ebenfalls von Stäuben befreit wurde der vor Ort aufgehäufte Abfall aus Bauschutt, Mischabfällen, Schrott, Altholz und Gefahrstoffen wie Asbest.
Aufbereitung für neue gewerbliche Nutzung
Da die alte Galvanik direkt an einen aktiven Betrieb angrenzt, erfolgte vor dem Rückbau eine statische Bewertung. Diese zeigte, dass die benachbarten Gebäude eine gemeinsame Zwischenwand hatten. Deshalb musste zunächst eine statisch gelöste Außenmauer für den Nachbarbetrieb errichtet werden. Danach war der oberirdische Rückbau bis März 2025 abgeschlossen, die Bodensanierung sowie die Tiefenenttrümmerung erfolgte im Sommer 2025.
Die sanierte, rund 3.500 m² große Fläche soll auch künftig gewerblich genutzt werden.
Plettenberg: Halb verfallen, voller schadstoffhaltiger Abfälle und ein bisschen gespenstisch: Knapp ein Jahrzehnt nach der Insolvenz der galvanischen Anstalt Vollmerhaus lief in deren gefluteten Kellerräumen noch immer eine wassergetriebene Turbine. Diese endgültig stillzulegen, zählte zu den zahlreichen Herausforderungen bei der Sanierung dieser Altlast.
Belastung des Bodens
Diverse Schwermetalle, Cyanide und Kohlenwasserstoffe
Besondere Herausforderungen
Die ehemaligen Betriebsräume waren voller schadstoffhaltiger Abfälle. Die Kellerräume waren geflutet, da eine alte Druckleitung nach wie vor Wasser zuführte.