Ehemalige Metallwarenfabrik
Pingel in Sundern

Bodenaustausch bei laufender Produktion

Nach ihrer Insolvenz hinterließ eine Metallwarenfabrik im sauerländischen Sundern ein gut erschlossenes Gelände am Flüsschen Röhr, auf dem sich nach nur zwei Jahren ein neues Unternehmen ansiedelte. Voraussetzung dafür war die Sanierung des Bodens der Gewerbefläche, der mit Mineralölkohlenwasserstoffen und leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) belastet war. Obwohl sogar unterhalb einer Werkshalle der Boden ausgetauscht werden musste, gelang es dem AAV, die Fläche so zu sanieren, dass die laufende Produktion kaum gestört wurde.

Projektübersicht

Die Fläche lag nur kurz brach:

Auf dem 13.000 m2 großen Gelände der ehemaligen Metallwarenfabrik Pingel in Sundern siedelte sich schon kurz nach deren Insolvenz ein neues Unternehmen an. Eine Sanierung des Geländes war dennoch unumgänglich, denn im Boden fanden sich Mineralölkohlenwasserstoffen sowie leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW). Letztere breiteten sich bis in den Kluftgrundwasserleiter aus.

In enger Abstimmung mit dem neuen Unternehmen

mussten sämtliche Sanierungsarbeiten geplant und durchgeführt werden. Absprachen waren zum Beispiel nötig, damit der Baustellenverkehr nicht die Materialanlieferungen behinderte. Auch wann und wie lange welche Fläche für die Sanierung in Anspruch genommen wurde, galt es sorgfältig mit der laufenden Produktion zu koordinieren.

Kleinräumige Belastungen fanden sich in der Lockergesteinsschicht,

die zwischen zwei und acht Meter hoch das Festgestein überlagert: Die Areale der ehemaligen Späne-Entölung und der Entfettung sowie die frühere Abwasserbehandlungsanlage mit der sogenannten „Giftleitung“ und der „Giftgrube“ ließen sich durch gezielten Bodentausch sanieren. Mit Rücksicht auf die parallele Nutzung der Fläche durch das neu angesiedelte Unternehmen erfolgte die Sanierung in mehreren Teilen.

Für die aufwändige Erkundung des Festgesteins

wurde 2017 eine rund 45 Meter tiefe Dreifachmessstelle eingerichtet. Die Messungen wiesen in allen drei Pegeln LCKW nach. Diesen Schaden im gesamten betroffenen Bereich zu fassen, ist – das zeigte ein Pumpversuch – durch die Förderung des belasteten Grundwassers möglich. Für zunächst drei Jahre wird voraussichtlich ab 2018 das Grundwasser gefördert und gereinigt, um die Entwicklung der Belastung im Kluftgrundwasserleiter besser einschätzen und bewerten zu können.

Die Sanierung der ehemaligen „Giftgrube“

ließ sich 2017 durch einen konventionellen Bodenaustausch in einer offenen Grube relativ unkompliziert erledigen. Besondere Aufmerksamkeit erforderte lediglich eine Versorgungsleitung am Rand des Aushubbereichs sowie eine Grundwassermessstelle, die während des Bodenaustauschs zu schützen waren.

Aufwändiger war die Sanierung der ehemaligen Späne-Entölung,

die ebenfalls 2017 abgeschlossen wurde: Um die unmittelbar angrenzende Werkhalle zu erhalten, wurde bereits in der Planungsphase die Sanierung in kleinräumige Baufelder aufgeteilt. Zunächst erfolgte der Rückbau einer alten Bodenplatte. Dann musste nach dieser Entsiegelung für das anströmende, saubere Hangwasser eine Drainage verlegt werden. Damit wurde die Mobilisierung von Mineralölkohlenwasserstoffen unterbunden.

Zum Schutz der Werkhalle

wurde der Boden nach und nach in sieben jeweils nur 40 m2 kleinen Baufeldern ausgetauscht. Während der Arbeiten sicherte man die Hallenfundamente zusätzlich mit zwei Stahlträgern. Unmittelbar nach dem Aushub des belasteten Bodens wurden die einzelnen Gruben sofort mit sauberem Material gefüllt und verdichtet. Den Oberflächenabschluss bildet eine bituminöse Tragschicht, die im Anschluss durch den Nutzer des Grundstücks für eigene Zwecke endgültig gestaltet wird.

Die Sanierung der „Giftleitung“ begann im November 2017:

Dieser verunreinigte Bereich erstreckte sich innerhalb der Werkhalle über eine Länge von rund 70 Metern mit einer Breite zwischen fünf und zehn Metern. Innerhalb der Halle wurde zunächst die Betonbodenplatte aufgeschnitten und aufgenommen, dann ließ sich der durch Mineralöle verunreinigte Boden austauschen.

Noch vor den Weihnachtstagen 2017

wurde die Betonbodenplatte wiederhergestellt, so dass der Beton über die Feiertage aushärten konnte. Eine beachtliche Leistung, zumal der Rückbau eines alten Kabelkanals an der Außenwand der Werkhalle, der zum Teil händisch erfolgte, viel Zeit kostete. Zudem entdeckte man überraschend unterhalb der Bodenplatte ein Schachtbauwerk, das in den zur Verfügung stehenden Plänen nicht verzeichnet war. Es wurde entleert und ebenso mit unbelastetem, verdichtungsfähigem Bodenmaterial verfüllt wie die übrige Baugrube.

Eine unerwartet hohe Belastung durch Mineralölkohlenwasserstoffe

wies der Betonbruch aus der Werkhalle auf. Deswegen wurde er zusammen mit dem verunreinigten Bodenaushub einer geordneten Entsorgung zugeführt. Voraussichtlich zum Jahreswechsel 2018/2019 erfolgt nun noch die Sanierung der ehemaligen Entfettung im Bereich einer heutigen Fertigungshalle. Außerdem ist eine zeitlich befristete Sanierung des Grundwassers vorgesehen.