Ehemalige chemische Reinigung Neue Torstraße / Alter Wallkanal in Lemgo

LCKW-Belastung im Boden der alten Hansestadt

Viele Jahrzehnte lang verwendete eine kleine chemische Reinigung in der Lemgoer Altstadt „Perchlorethylen“, um Fettflecken aus empfindlichen Textilien zu entfernen. Solche leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe (LCKW) waren höchst wirksam und weit verbreitet. Ihre schädliche Wirkung auf die menschliche Gesundheit ist erst seit relativ kurzer Zeit bekannt. Unterhalb der Wäscherei und entlang eines alten Kanals verbreitete sich der Schadstoff im Boden. Dies wurde bei umfangreichen Untersuchungen festgestellt. Eine Sanierung des Schadens ist vorgesehen.

Projektübersicht

Am Nordrand der malerischen Fachwerk-Altstadt von Lemgo

arbeitete auf einem nur 460 m2 großen Standort bis 2003 fast 100 Jahre lang eine Färberei und chemische Reinigung. Das Geschäfts- und Wohnhaus liegt direkt an der Neuen Torstraße, daneben stehen fünf weitere Gebäudeteile. In zweien davon waren die ehemalige Reinigung und die Wäscherei untergebracht.

Nach der Insolvenz

der Firma blieb das Areal drei Jahre lang ungenutzt. Erst 2006 erwarben zwei Privatpersonen das Grundstück samt der Gebäude. Nutzen konnten sie diese dann allerdings nur eingeschränkt, denn eine orientierende Untersuchung des Bodens und der Bodenluft zeigte, dass der Untergrund massiv verunreinigt ist: bis zu 45.000 mg leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe wurden pro Kubikmeter Bodenluft gemessen, pro Liter Grundwasser wies man bis zu 199.000 Mikrogramm LCKW nach. Spätere Boden-Untersuchungen unterhalb der Gebäude wiesen Maximalgehalte von 15.400 mg LCKW pro Kilogramm nach.

Die Detektivarbeit der Schadstoffsucher

musste auf die nähere Umgebung der ehemaligen Reinigung ausgeweitet werden, da sich eine Abgrenzung des Schadens mit der ersten Untersuchung nicht erzielen ließ.

Teils auf den Resten der früheren Befestigungsanlage

der alten Hansestadt Lemgo steht die ehemalige Reinigung – der Name „Neue Torstraße“ weist darauf hin. Hier war der nördliche Zugang durch die längst verschwundene Stadtmauer zur mittelalterlichen Handelsmetropole, die ihren Reichtum zusätzlich durch einen Graben schützte. Der Wallgraben ist zwar längst verlandet, lässt sich jedoch im Bodenrelief zum Teil immer noch erkennen. Die alten Befestigungsanlagen haben sich in eine öffentliche Parkanlage verwandelt, die ringförmig nahezu um die gesamte Altstadt verläuft. Am Standort der ehemaligen Reinigung heißt der Park „Slavertorwall“. Der Bereich des Altstandorts ist als Bodendenkmal ausgewiesen.

Unterhalb des Wallgrabens am Slavertorwall

wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg ein Kanal verlegt, der als Vorflut für die Abwässer der damaligen Färberei und Reinigung diente. Er verläuft in Richtung Westen und liegt ca. 2,5 Meter tief im Bereich des Grundwasserspiegels. Entlang des Wallkanals erfolgten die bisherigen Untersuchungen in mehreren Schritten, das Ergebnis: Ausgehend von der ehemaligen chemischen Reinigung ist der Boden über eine Länge von rund 100 Metern und auf einer Breite von rund zehn Metern zum Teil erheblich mit LCKW belastet. Die Konzentrationen schwanken stark: Punktuell fanden sich ähnlich hohe Belastungen wie am Schadensherd selbst.

Die mit Abstand höchsten Belastungen

wies man in der Kanaltrasse selbst nach. Sie fokussieren sich auf die nur gering durchlässige Bodenzone im Kanalbereich, wo sich bis zu 4.780 mg LCKW pro Kilogramm Boden nachweisen ließen. In vergleichbarer Tiefe wurden andernorts aber auch deutlich kleinere Werte von wenigen hundert mg/kg gefunden. Ein ähnliches Bild ergaben die Proben des Grundwassers. Hier schwanken die LCKW-Belastungswerte zwischen maximal 320.000 und nur wenigen hundert Mikrogramm pro Liter.

Hausgärten am Slavertorwall reichen bis an die Kanaltrasse heran.

Die Gebäude hier stammen aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende und wurden zum Teil in den vergangenen Jahren renoviert. Teilweise liegen nur wenige Aufzeichnungen über den Bau der Häuser vor.

Die Untersuchungen für eine erste Risikobewertung

wurden 2017 abgeschlossen. Es ging vor allem darum, weitere Informationen über den Zustand der Gebäude auf dem belasteten Standort und in seiner Umgebung zu gewinnen. Die entsprechenden Häuser wurden begangen. Dabei entstanden eine detaillierte Fotodokumentation sowie eine Bauzustandserfassung. Ergänzend recherchierte man Unterlagen im Bauamt der Stadt Lemgo und wertete diese aus.

Größere Schäden in den Innenräumen

waren bei der Begehung nicht erkennbar. Die Haus-Fassaden am Wallkanal jedoch hatten sich in Richtung Norden gesetzt, so dass Schiefstellungen deutlich erkennbar waren. Die so entstandenen Risse sind gegenwärtig überwiegend inaktiv, jedoch ist eine Reaktivierung infolge von Baumaßnahmen nicht auszuschließen. Als Grundlage für die weiteren Planungen und Arbeiten wurde zusätzlich eine Entwurfsvermessung des Standorts erstellt.

Für die Sanierung des Schadenszentrums

müssen die beiden Gebäudeteile, in denen Wäscherei und chemische Reinigung untergebracht waren, zurückgebaut werden. Die übrigen Gebäude bleiben erhalten. Anschließend erfolgt in diesem Bereich die Sanierung des Bodens.

Zusätzlich erfolgt eine ergänzende Sanierungsuntersuchung, 

so dass nach entsprechenden Felduntersuchungen ein auf die Gegebenheiten des Standorts angepasstes Sanierungskonzept entwickelt werden kann. Anschließend wird der Sanierungsplan erstellt. Die Arbeiten für die ergänzende Sanierungsuntersuchung sind voraussichtlich im Jahr 2019 abgeschlossen.