Kaarst-Büttgen: Eine ehemalige chemische Reinigung und ein LCKW-Schaden unterhalb dichter Bebauung – Für die Sanierung dieser typischen Boden-Verunreinigung erprobt der AAV in Kaarst ein innovatives Verfahren, mit dem sich LCKW in situ biologisch abbauen lassen.
Der Rhein-Kreis Neuss meldete sich beim AAV im Jahr 2017 erneut mit dem Standort der ehemaligen chemischen Reinigung im dicht bebauten Kern von Kaarst-Büttgen. Die Aufnahme in den Maßnahmenplan war 2008 erfolgt, nachdem das Wasserwerk Büttgen-Driesch eine LCKW-Belastung registriert hatte.
Den Ursprung der Verunreinigung hatte der Rhein-Kreis Neuss seinerzeit durch aufwändige Recherchen ermitteln können: eine chemische Reinigung, die bis 1981 nur sechs Jahre lang an der Bahnstraße in Betrieb war. Von dort aus hatte sich eine rund 1.700 Meter lange Schadstofffahne im Trinkwasserschutzgebiet gebildet.
Schadstofffahne riss ab
Eine Grundwasserreinigungsanlage, die bis 2013 im Auftrag des AAV, dann weiter durch den Kreis betrieben wurde, ließ die Fahne abreißen, so dass im Wasserwerk nur noch geringfügige LCKW-Werte nachweisbar waren.
Vor Wiederaufnahme weiter hohe Schadstoffgehalte
Hohe Schadstoffgehalte jedoch wurden auch noch nach vier Jahren in den Förderbrunnen der Pump and Treat-Anlage gemessen. Deshalb wandte sich der Rhein-Kreis Neuss 2017 erneut an den AAV. Um Gefahren für die Wassergewinnungsanlage abzuwehren, stimmten die Gremien des AAV der Wiederaufnahme zu: Mit innovativer Grundwasser-Reinigungstechnik sollte die Restbelastungen getilgt werden.
Brunnen in unterschiedlichen Tiefen
Vorgesehen waren zunächst zehn Bohrungen im Viertelkreis in unterschiedliche Tiefen, die dann horizontal weitergeführt werden sollten. So wird eine gezielte Zugabe von Substrat (Melasse) in die belasteten Bereiche möglich – und damit die effektive biologische In-Situ-Sanierung. Ein wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens mit Blick auf die beengten Verhältnisse: Die Brunnen lassen sich Platz sparend in Schachtbauwerken unterbringen.
Anpassung Konzept und Zirkulationsversuch
Das Konzept musste zwar während der Bohrarbeiten angepasst werden, da sich der Baugrund teilweise von den erwarteten Gegebenheiten unterschied. Insgesamt wurden 14 Bohrungen erstellt, die für die Zirkulation miteinander kombiniert wurden. Im Vorfeld ließ sich ein Zirkulationsversuch mit einem Tracer vornehmen, der weitere Erkenntnisse über den Aufbau des Untergrunds erbrachte.
Sanierung im Trinkwasser-Schutzgebiet
Der Regelbetrieb begann im Februar 2025. Von der ursprünglich geplanten Aufteilung der Sanierung in zwei Phasen wurde im Verlauf der Sanierung abgesehen und eine zwölfmonatige Zirkulation zwischen den Beteiligten vereinbart. Hierbei erfolgte eine regelmäßige Zugabe von Substrat. Die Zusammensetzung des Wassers und weitere Daten werden laufend überwacht, um dann die genauen Bedingungen der Maßnahme festlegen zu können. Im Anschluss sind eine Nachlaufphase sowie ein Monitoring über den Erfolg der Maßnahme geplant. Da das Projektgebiet im einem Trinkwasser-Schutzgebiet liegt, strebt der AAV das Erreichen der Geringfügigkeitsschwellenwerte an.