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Lage (Lippe): ehemalige chemische Reinigung am Rand der Innenstadt

LCKW in der Wohnungs-Luft

Lage (Lippe): Lange blieb die LCKW-Verunreinigung unterhalb der dichten Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern im Zentrum von Lage unentdeckt. 2025 schloss der AAV Rückbau und Bodenaustausch ab, die biologische Sanierung des Grundwassers ist nach einer Monitoringphase geplant.

AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung – Zukunft. Auf gutem Grund.

Projektbeschreibung

Lange blieb die LCKW-Verunreinigung unterhalb der dichten Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern im Zentrum von Lage unentdeckt. 2025 schloss der AAV Rückbau und Bodenaustausch ab, die biologische Sanierung des Grundwassers ist nach einer Monitoringphase geplant.

Der LCKW-Schaden im nordwestlichen Innenstadt-Zipfel von Lage entstand nach und nach ab 1874 durch eine Färberei, aus der später eine chemische Reinigung hervorging. Der Betrieb wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs durch eine Flieger-Bombe zerstört, dann auf dem 2.300 m3 großen Firmengelände neu aufgebaut und bot dort schließlich bis 1985 seine Dienste an.

Reihenhäuser auf ehemaligem Betriebsgelände

Nach der Stilllegung ließ der Eigentümer Teile der Gebäude der ehemaligen Reinigung zurückbauen und verkaufte die Fläche. Darauf wurde ab 1986 ein nicht unterkellerter Reihenhauskomplex errichtet. Dass der Boden darunter sowie die Bodenluft und das Grundwasser erheblich mit LCKW verunreinigt waren, darauf gab es erst 2006 erste Hinweise. Ergänzende Untersuchungen zeigten, dass sogar die Raumluft in den Wohngebäuden belastet war.

Kreis Lippe kaufte die Häuser

Vor der Umsetzung des Sanierungsplans erwarb der Kreis Lippe die Häuser auf dem Schadensschwerpunkt um sie freizuziehen. Zudem schloss man Verträge, die mit Betroffenen die Duldung der erforderlichen Maßnahmen und mit Pflichtigen die finanziellen Beteilungen daran regelten.

Hornissen verzögern den Rückbau

Auf einer Info-Veranstaltung und durch Pressemitteilungen wurden die Menschen in Lage und vor allem die Anlieger der belasteten Fläche über die anstehenden Arbeiten ins Bild gesetzt. Denn diese führten in der Innenstadt zu einigen Beeinträchtigungen. So mussten Bäume an der Färberstraße gefällt werden, die zurückzubauenden Häuser wurden von starkem Efeubewuchs befreit, Versorgungsleitungen vom Netz getrennt und der Untergrund auf Kampfmittel erkundet. Schließlich sperrte man die Färberstraße und richtete eine Umleitung ein, so dass Entrümpelung und Rückbau der beiden Häuser auf dem Schadstoffherd hätten beginnen können – wäre nicht noch unterm Dach ein Hornissennest entdeckt worden. Zum Glück sprang die Naturschutzbehörde des Kreises Lippe kurzfristig helfend ein und sorgte für die Umsiedlung der geschützten Insekten.

Unerwartete Funde im Boden

Nach deren endgültigem „Freizug“ war der Rückbau der beiden nicht unterkellerten Reihenhäuser innerhalb kurzer Zeit erledigt. Dann allerdings zeigte sich überraschend, dass mit LCKW belastete Bauteile der alten chemischen Reinigung im Boden verblieben waren. So musste ein Becken, das sich unterhalb einer massiven Betonbodenplatte fand, separat ausgebaut und fachgerecht entsorgt werden. Während der folgenden Aushubarbeiten legte man zudem die Pumpen- und Filtergrube eines früheren Schweröltanks frei, die ebenfalls – soweit möglich – entfernt wurde.

Bodenaustausch bis in 2,5 Meter Tiefe

Bis in eine Tiefe von zweieinhalb Metern wurden anschließend rund 1.600 Tonnen mit Lösemitteln verunreinigter Boden ausgehoben und entsorgt. Schadstoffreste, die auf einem angrenzenden Flurstück verblieben waren, wurden mit einer Gassperre gesichert und der Zutritt von Regenwasser durch eine Asphaltoberfläche verhindert. Die Baugrube musste nur zum Teil wieder aufgefüllt werden, da an dieser Stelle eine Retentionsfläche entstanden ist..

Grundwassersanierung beginnt nach Rückbau

Die Giebelwand des benachbarten Reihenhauses, die nach dem Rückbau zunächst frei und ungeschützt war, erhielt eine Verkleidung mit einem Wärmeverbundsystem. Zudem wurde ein Dachüberstand erstellt. Mit der Herstellung einer Asphaltoberfläche im Bereich des früheren Hofes war Teil eins der Sanierung im Sommer 2025 abgeschlossen.

Der Sanierung zweiter Teil soll nach einer Monitoringphase beginnen: die biologische Sanierung des Grundwassers.

Standort
Am Rand der Innenstadt von Lage (Lippe)
Belastung des Bodens
Leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW)
Besondere Herausforderungen
Die Wohnbebauung über dem Schadensherd musste vor der Sanierung zurückgebaut werden; im Boden fanden sich während der Aushub-Arbeiten verbliebene Bauteile der ehemaligen chemischen Reinigung, die stark mit LCKW belastet waren.
Lage (Lippe): ehemalige chemische Reinigung am Rand der Innenstadt