Lippstadt: Mehr als 20 Jahre lag das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs brach. Nach dem Flächenrecycling durch den AAV mit der Stadt Lippstadt gewinnt die Kommune jetzt 35 Hektar zusätzliche Lebensqualität am Rand der Innenstadt.
Lippstadt: Mehr als 20 Jahre lag das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs brach. Nach dem Flächenrecycling durch den AAV mit der Stadt Lippstadt gewinnt die Kommune jetzt 35 Hektar zusätzliche Lebensqualität am Rand der Innenstadt.
35 Hektar, die auf einen Streich am Rand der Innenstadt frei werden – das eröffnet einer Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern enorme Möglichkeiten. Lippstadt nutzt die Chance, die sich durch die Stilllegung des Güterbahnhofs ergab, und fasst im neuen Stadthaus am Südwest-Rand der Altstadt die bislang weit verstreute Verwaltung zusammen. Gemeinsam mit dem AAV wurde dafür die ehemalige Bahnhofsfläche aufbereitet.
Bahn kam 1850 nach Lippstadt
Bereits 1850 erhielt Lippstadt Anschluss ans deutsche Schienennetz und erlebte in der Folge einen wirtschaftlichen Aufschwung. Entsprechend schnell wuchs westlich des Bahnhofs für den Personenverkehr auch der Güterbahnhof mit Abstellgleisen, Stellwerken, Werkstätten und Lokschuppen. Im direkten Umfeld siedelten sich unter anderem Mineralölunternehmen an.
DB AG sanierte Belastungsbereiche
Gegen Ende des letzten Jahrhunderts hatte der Güterbahnhof an Bedeutung verloren und die Deutsche Bahn AG gab den Betrieb 1997 komplett auf. Bereits einige Jahre zuvor hatte das Unternehmen Untersuchungen zu Verunreinigungen auf dem Gelände in Auftrag gegeben. Gefunden wurden lokale Belastungen des Bodens, der Bodenluft und des Grundwassers. Nach der Sanierung eines ehemaligen Tanklagers und eines ehemaligen Ölkellers erwarb die Stadt Lippstadt das Grundstück im Jahr 2009. Im Kaufvertrag verpflichtete sich die DB AG, weitere Belastungsbereiche auf der Fläche zu sanieren. Diese Arbeiten waren 2011 abgeschlossen. Noch im gleichen Jahr ließ die Stadt die Gleisanlagen und Bahnsteige zurückbauen.
Pläne für ein Shoppingcenter verworfen
Ursprüngliche Überlegungen, die Fläche kommerziell zu nutzen und durch einen Investor ein Einkaufscenter errichten zu lassen, wurden bis 2015 komplett verworfen. Stattdessen fasste der Stadtrat den Beschluss, auf der Fläche ein Jahrzehnte altes Problem zu lösen: In einem neuen Stadthaus sollten hier endlich alle 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung unterkommen. Bislang gab es ein Dutzend Verwaltungsstandorte, die über die östliche Kernstadt verteilt waren – daraus ergaben sich Defizite hinsichtlich Effizienz und Bürgerfreundlichkeit. Der entsprechende Bebauungsplan ist seit Juli 2023 in Kraft und es wurde ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen dem AAV, der Stadt Lippstadt und dem Kreis Soest über die Durchführung von ergänzenden Standortuntersuchungen sowie über die Erstellung eines Entsorgungs- und Bodenmanagement-Konzeptes abgeschlossen.
Stadthaus soll bis 2027 stehen
Die Untersuchungen zeigten, dass es noch immer einige sanierungsbedürftige Hotspots mit Schadstoffbelastungen gab, unter anderem im Bereich eines künftigen Regenrückhaltebeckens. Zudem mussten Auffüllungsmaterialien entsorgt werden, die auf dem Gelände flächig verteilt waren. Die Flächenaufbereitung war im Juni 2024 abgeschlossen, das neue Stadthaus soll bis Ende 2027 fertig sein.