Schutz des Grundwassers vor Blei und Zink

Bergehalde Beythal in Düren: Schwermetalle in Sickerwässern

Die Bergehalde Beythal am Rand des Nationalparks Eifel setzt in Sickerwässern fortwährend Schwermetalle frei, die seit 1999 weitestgehend in einer Dränage gefasst werden. So gelangen die Schadstoffe nicht ins Grundwasser und nicht in den nahen Beybach. Um die Gefahren, die von der Altlast ausgehen, langfristig einzudämmen, erarbeitet der AAV derzeit ein Maßnahmen-Konzept. 2015 übernahm der Verband die Projektträgerschaft für die Sanierung der rund 45 Hektar großen Halde im Südwesten des Kreises Düren.

Projektübersicht

Projektname:
Bergehalde Beythal in Düren

Projektzeitraum:
Entdeckung des Schadstoff-Austritts und erste Gefahrenabwehr 1999, Sanierungskonzept 2010, Beginn ergänzender Standortuntersuchungen durch den AAV im Herbst 2017

Standort:
Zwischen den Ortsteilen Gey und Berzbuir im Kreis Düren

Fläche:
45 Hektar; entspricht der Größe der Vatikanstadt

Bisherige Nutzung:
Absetzbecken für Flotationsrückstände (bis 1969), teilweise Rückgewinnung von Sanden zur Kalksandsteinproduktion (bis 2002), seit 1990 Naturschutzgebiet

Belastung des Bodens durch:
unterschiedliche Schwermetalle, vor allem Blei und Zink

Besondere Herausforderungen:
Damit keine Schwermetalle ins Grundwasser gelangen, ist auf lange Sicht eine fortwährende Fassung und Reinigung des Sickerwassers aus der Halde nötig. Zudem hat sich auf der Bergehalde Beythal im Laufe der Jahre eine artenreiche Flora und Fauna mit zahlreichen schützenswerten Arten angesiedelt. Deren Lebensräume gilt es trotz der notwendigen Sanierungsmaßnahmen so weit wie möglich zu bewahren.

Kosten:
noch nicht absehbar

Neue Nutzung:
Naturfläche

Die Sanierung der Halde stellt den AAV vor viele Herausforderungen.

Denn erstens entstand die Halde 1955 auf einem Areal, das während des Zweiten Weltkriegs Schauplatz vermehrter Kampfhandlungen war. Deshalb müssen alle Bohrungen, die den ursprünglichen Untergrund erschließen, auf Kampfmittel detektiert werden. Solche Bohrungen sind unverzichtbar, um Proben zu gewinnen, mit deren Hilfe sich die geochemischen Prozesse im Haldenkörper beurteilen lassen. So liefert die Untersuchung des Haldenmaterials Erkenntnisse darüber, wie sich die Schadstoff-Austräge künftig entwickeln.


Zweitens steht die Halde seit 1996 unter Naturschutz, …

… da hier neben unterschiedlichen Orchideen auch seltene Vogelarten wie Uhu, Neuntöter, Steinschmätzer und die Turteltaube, Vogel des Jahres 2020, heimisch geworden sind. Mit einer Biotop-Kartierung sammelte man bereits Informationen zum Vorkommen und zur Verbreitung der naturschutzrechtlich relevanten Flora und Fauna, zu der auch Wildbienen, Schlingnattern, Haselmäuse, Geburtshelferkröten und Wildkatzen gehören. Nun steht noch eine vertiefende „Art-für-Art-Betrachtung“ aus, die Voraussetzung für Vermeidungs-Maßnahmen und für vorgezogene Ausgleichs-Maßnahmen ist. Diese sind erforderlich, da die Sanierung der Halde nicht ohne Auswirkungen auf die Lebensräume unterschiedlicher Arten erfolgen kann. Für die Modellierung des Wasserhaushalts der Halde wurden zudem wichtige Eingangsparameter – vor allem zur Bodenart und zum Bedeckungsgrad der Vegetation – erhoben.


Drittens fehlten noch wichtige Informationen.

Dies stellte man bei einer eingehenden Bestandsaufnahme und der Erstellung eines ersten konzeptionellen Modells der Halde, ihres Untergrunds und ihres Umfelds fest. So benötigte man noch Erkenntnisse über den Aufbau und die Grundwasserführung der Lockergesteinsschichten am nordwestlichen Haldenrand und über die Qualität des Wassers im Abstrom der Halde und im Beybach. Um Daten für die Sanierungsuntersuchung zu gewinnen, wurden bestehende Grundwassermessstellen instandgesetzt und neue auf dem Haldenplateau und im nordwestlichen Abstrombereich eingerichtet. Zudem erfolgt ein umfassendes Monitoring des Grund-, Sicker- und Oberflächenwassers sowie eine Untersuchung des Schichtenaufbaus am nordwestlichen Haldenfuß und am Nordostrand der Halde.


Vor allem die Suche nach Kampfmitteln …

… und die Durchführung von Feldarbeiten innerhalb des Naturschutzgebietes, die auf die Herbst- und Wintermonate beschränkt sind, verzögerten die Untersuchungen, so dass sie 2019 noch nicht vollständig abgeschlossen werden konnten. Sobald eine vollständige Datengrundlage vorliegt, geht es an die Entwicklung des Maßnahmenkonzeptes zur Sanierung der Bergehalde Beythal. Dabei stehen zwei Ziele im Fokus: Die Neubildung von belastetem Sickerwasser soll reduziert und das austretende Sickerwasser möglichst vollständig gefasst werden.


Das schwermetallhaltige Sickerwasser, …

… das am nordwestlichen Fuß der Halde austritt, wird derzeit in einem Drainagegraben gefasst, auf das Haldenplateau zurück gepumpt. Dort versickert es. Künftig soll das belastete Wasser per Druckleitung zur Deponie Horm abgeleitet, dort in einer neuen Sickerwasser-Behandlungsanlage gereinigt und schließlich in die natürliche Vorflut eingeleitet werden.


Die Freisetzung der Schadstoffe zu reduzieren, …

… ist ein weiteres Ziel der Sanierung. Das zentrale Problem ist, dass mit Niederschlagswasser Sauerstoff in den Haldenkörper gelangt. So kommt es zu einer Pyrit-Oxidation, durch die Säuren entstehen, die ihrerseits die Mobilisierung von Schwermetallen verstärken. So schwindet  nach Untersuchungen aus den Jahren 2014 und 2015 mehr und mehr die Pufferkapazität der Halde. Wie sich die drohende Versauerung unterbinden oder zumindest reduzieren lässt, ist noch zu klären.


Das Ziel der Sanierung ist ein stabiler Endzustand:

Der Wasserhaushalt der Bergehalde muss dafür so eingestellt sein, dass von ihr erstens keine Gefahr mehr für das Grundwasser ausgeht. Und zweitens müssen Menge und Verschmutzungsgrad des Sickerwassers ein so niedriges Niveau erreichen, dass die Kosten für dessen langfristige Reinigung im Rahmen bleiben.


Die Bergehalde Beythal ist ein Relikt des Erzbergbaus.

Zwischen 1955 und 1969 wurden im Tagebau „Maubacher Bleiberg“ Zinkblende und Bleiglanz gewonnen. Die Halde ist ein ehemaliges Absetzbecken mit Randdämmen, in dem Flotationsrückstände aus der Blei- und Zinkerz-Aufbereitung deponiert wurden. Die Ablagerungen enthalten vor allem Blei und Zink sowie – in geringerem Maße – Nickel, Kobalt und Kupfer. Die Freisetzung dieser Schadstoffe bemerkte man 1999, als der Fischbestand einer nahe gelegenen Forellenzucht vergiftet wurde. 2015 übernahm der AAV auf Grundlage eines öffentlich-rechtlichen Vertrages mit der Bezirksregierung Arnsberg und dem Kreis Düren die Maßnahmenträgerschaft für die Sanierung der Bergehalde Beythal.

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