Sanierung im Naturschutzgebiet

Ehemalige Wurfscheiben-Schießanlage in Remscheid-Tente wird nun renaturiert

Ein idyllisches Stück der Auen-Landschaft am Tenter Baches befreite der AAV von Blei, Arsen und weiteren Schadstoffen. Die rund zwei Hektar große Fläche ergrünte nach der Sanierung 2020 erstmals wieder. Nun gilt es, den Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen zu beobachten und zu sichern.

Projektübersicht

Projektname:
Ehemalige Wurfscheiben-Schießanlage in Remscheid-Tente

Projektzeitraum:
2015 bis 2020 (Sanierungsuntersuchung, -planung, Sanierung und Renaturierung), Monitoring und Sicherung der Renaturierung bis 2022

Standort:
süd-östlich der Remscheider Innenstadt nahe der A1

Fläche:
rund 2 Hektar

Bisherige Nutzung:
1926 - 1999 Anlage für Bahn- und Wurfscheibenschießen; extensive Beweidung und Pferdehaltung

Belastung des Bodens durch:
Blei, Arsen, Antimon und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Besondere Herausforderungen:
Nach dem Abtragen des belasteten Bodens erfolgt eine naturschutzgerechte Grünland-Reaktivierung durch Mahd-/Saatgutübertragung.

Kosten:
820.000 Euro

Neue Nutzung:
Grünfläche

Im Naturschutzgebiet „Tenter Bach und Bökerbach“

tauschte der AAV 5.700 Tonnen belasteten Bodens aus. Die beiden namensgebenden Bäche bilden auf halbem Weg zwischen der Remscheider Innenstadt und dem Ortsteil Lennep reizvolle Kerbtäler mit vielfältigen Lebensräumen – von Feuchtwiesen in Ufernähe bis hin zu blütenreichen Magerrasen an den Hängen.


Nötig war der Bodentausch,

da die Fläche direkt am Tenter Bach von 1926 bis 2000 von der Kreisjägerschaft Remscheid und ihren Vorgänger-Organisationen für eine Bahn- und Wurfscheiben-Schießanlage genutzt wurde. Im Laufe der Jahrzehnte sammelten sich dabei große Mengen Bleischrot im Boden an, das neben Blei auch Legierungszusätze wie Antimon und Arsen enthält. Durch Verwitterung wurden das Schwermetall und die Halbmetalle freigesetzt und gelangten mit dem Sickerwasser in tiefer liegende Bodenschichten. Es bestand die konkrete Gefahr, dass Schadstoffe in den Tenter Bach und das Grundwasser gelangen. Zudem verursachten die Schadstoffe Vegetationsschäden, die 2009 augenfällig wurden.


Zudem setzten auch die „Tontauben“ Schadstoffe frei.

Diese runden Wurfscheiben mit zehn Zentimetern Durchmesser und einem Gewicht von rund 100 Gramm bestehen zu 70 % aus Steinmehl und zu 30 % aus Bindemitteln, das hieß in der Vergangenheit: aus Steinkohlen- oder Erdölpech. Deshalb ließ die Stadt Remscheid den Boden 2011 für die Gefährdungsabschätzung zusätzlich auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersuchen. Tatsächlich fanden sich bei den Bodenuntersuchungen starke Belastungen mit PAK. Dass die Schadstoffe nach und nach in den Tenter Bach und ins Grundwasser gelangen würden, lag auf der Hand.


Diese Verunreinigung von Bach- und Grundwasser sollte verhindert werden.

Der AAV nahm das Projekt 2013 in den Maßnahmenplan auf, schloss 2015 einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit der Stadt Remscheid und führte bis 2017 die Sanierungsuntersuchung durch. Der anschließend erstellte Sanierungsplan, der ab 2019 baulich umgesetzt wurde, hatte vor allem dieses Ziel: die nachhaltige Unterbindung des Schadstoffeintrags in das Bach- und Grundwasser. Deswegen sollte der belastete Boden in Tiefen zwischen zehn und 40 Zentimetern abgetragen und anschließend auf geeigneten Deponien entsorgt werden.


Dass die Schadstoffe zum Teil deutlich tiefer in den Boden eingedrungen waren,

stellte man erst im Laufe der Arbeiten, als man die Einhaltung der Sanierungs-Zielwerte überprüfte. Also setzte man den Bodenabtrag in Schritten von fünf bis zehn Zentimetern fort. Da die Schadstoff-Belastungen zudem auf einigen Sanierungsteilflächen höher waren als zunächst erwartet, mussten insgesamt 5.700 Tonnen belastetes Material entsorgt werden – deutlich mehr als ursprünglich geplant.


Mit besonderer Rücksicht auf die Tier- und Pflanzenwelt des Naturschutzgebiets

führte der AAV die Sanierungsmaßnahmen durch. Zudem berücksichtigte ein landschaftspflegerischer Begleitplan von Anfang an die ökologischen Belange. So konnte man einige große Eichen, die ursprünglich zur Fällung vorgesehen waren, durch Einsatz wurzelschonender Maßnahmen und unter Aufsicht der ökologischen Baubegleitung erhalten. Waldeidechsen und Blindschleichen, die man im Laufe der Arbeiten entdeckte, wurden in ein nahe gelegenes Ersatzquartier umgesiedelt.


Die naturschutzgerechte Reaktivierung der Fläche

begann unmittelbar nach der Bodensanierung im Frühjahr 2020. Dazu gehörten das Einpflanzen standortgerechter Gehölze wie Weißdorn, Eiche und Vogelkirsche sowie eine Mahdgut-Übertragung im Hochsommer zur Reaktivierung des Feuchtgrünlandes der westlichen Bach-Aue. Dieses Mahdgut stammte aus einem nahe gelegenen Naturschutzgebiet und wurde auf den zuvor aufgelockerten Boden ausgebracht. Um die Entwicklung von Magergrünland zu fördern, wurden 15 Kilogramm geeignetes Saatgut ausgebracht. Zurückkehrende Amphibien und Insekten finden im Auenbereich einen neu angelegten Teich als Lebensraum vor, Eidechsen und Blindschleichen werden freigelegtes Festgestein als Sonnenplatz zu schätzen wissen.


Der Erfolg der Renaturierungs-Maßnahmen

wird durch ein naturschutzfachliches Monitoring kontinuierlich überprüft und durch Pflegemaßnahmen sichergestellt. So wird die gesamte Fläche mindestens einmal jährlich gemäht und bei Bedarf werden standortfremde Pflanzen und vor allem invasive Arten bekämpft. Dies alles übernimmt bis Ende 2022 der AAV, danach kümmert sich die Stadt Remscheid um die renaturierte Fläche.

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