Bleischrot und Tontauben belasten Boden

Ehemalige Wurfscheiben-Schießanlage in Remscheid-Tente

Im Naturschutzgebiet „Tenter Bach und Bökerbach“ betrieben die Kreisjägerschaft Remscheid e.V. und ihre Vorgänger-Organisationen zwischen 1926 und 1999 eine Anlage für Bahn- und Wurfscheibenschießen. Bleischrot und die Trümmer von Wurfscheiben belasten eine Fläche von rund 11.150 m2 so stark mit Blei, Antimon und Arsen sowie mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), dass eine Altlastensanierung mit anschließender Renaturierung nötig ist.

Projektübersicht

Projektname:
Ehemalige Wurfscheiben-Schießanlage in Remscheid-Tente

Projektzeitraum:
2015 bis 2020 (Sanierungsuntersuchung, -planung, Sanierung und Renaturierung)

Standort:
süd-östlich der Remscheider Innenstadt nahe der A1

Fläche:
rund 2 Hektar

Bisherige Nutzung:
1926 - 1999 Anlage für Bahn- und Wurfscheibenschießen; extensive Beweidung und Pferdehaltung

Belastung des Bodens durch:
Blei, Arsen, Antimon und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Besondere Herausforderungen:
Nach dem Abtragen des belasteten Bodens erfolgt eine naturschutzgerechte Magergrünland-Reaktivierung durch Mahd-/Saatgutübertragung.

Kosten:
870.000 Euro

Neue Nutzung:
Grünfläche

In der naturnahen Talaue des Tenter Baches,

in der die ehemalige Schießanlage liegt, waren im Jahr 2009 deutliche Vegetationsschäden zu sehen. Zudem lagen im angrenzenden Hangbereich Schrotkugeln in großen Mengen. Gründe genug also, den Boden genauer zu untersuchen. Gefunden wurden erhöhte Schwermetallgehalte, so dass ein Verbot für die bisherige Pferdehaltung und Beweidung ausgesprochen werden musste. Die maximalen Stoffgehalte im Boden liegen bei 12.700 mg/kg für Blei, 315 mg/kg für Antimon, 143 mg/kg für Arsen und 810 mg/kg für PAK.


Die PAK stammen aus den „Tontauben“.

Diese runden Wurfscheiben – 10 cm im Durchmesser und rund 100 g schwer – bestehen zu 70 % aus Steinmehl und zu 30 % aus Bindemittelzusätzen. In der Vergangenheit verwendete man dafür in erster Linie Steinkohlen- oder Erdölpech, so dass jede Tontaube 0,5 bis 2,5 g PAK enthielt.


Die Schwer- und Halbmetalle stammen aus den Schrotladungen:

rund 2,5 mm große Kügelchen, die zu etwa 97 % aus Blei und zu 2 bis 3 % aus Legierungszusätzen wie Antimon und Arsen bestehen. Verwitterungsprozesse mobilisieren all diese Bestandteile, die dann mit dem Sickerwasser in tiefer liegende Bodenschichten gelangen – je nach Untergrundbeschaffenheit sogar bis ins Grundwasser.


Wie tief die Schadstoffe in den Boden eindrangen, blieb unklar:

Zwar wurden bei Detailuntersuchungen im Hangbereich bereits in Tiefen ab 30 cm keine Sickerwasserprüfwerte mehr überschritten. Dennoch muss ein Schadstoffeintrag in den Kluft-Grundwasserleiter zumindest in Teilbereichen als wahrscheinlich gelten. Denn in Hangbereichen mit geringer Bodenabdeckung und hoch anstehendem verwitterten Felsgestein ist das Absickern von Niederschlagswasser, das mit Schadstoffen aus dem Oberboden angereichert ist, nicht auszuschließen.


Die Böden der Talaue binden Schwermetalle und PAK.

Da hier der Grundwasserspiegel bis zur Geländeoberkante ansteigt und es auch zu Überschwemmungen kommen kann, gelangten schadstoffbehaftete Bodenpartikel und Schwebstoffe immer wieder in den Tenter Bach – und zwar in zunehmendem Maße. Denn die fortschreitende Verwitterung der Schrotkugeln führte zu immer stärkerer Freisetzung von Blei, Antimon und Arsen.


Diesen Schadstoffeintrag ins Bach- und Grundwasser unterbindet

der Bodenabtrag in Tiefen zwischen 10 und 40 cm. Zuvor war zwar die Abholzung des Baum- und Buschbestandes nötig, gleich nach der Bodensanierung beginnt jedoch im Jahr 2020 die naturschutzgerechte Magergrünland‐Reaktivierung durch Mahd-/Saatgutübertragung. Zudem werden gezielt wertgebende Pflanzenarten angesiedelt. Den Erfolg der Maßnahmen stellen ein Monitoring und die Pflege der renaturierten Flächen sicher – zunächst durch den AAV, nach zwei Jahren dann durch die Stadt Remscheid.

Remscheid

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