Bodenaustausch in der Altstadt

Bodenaustausch in der Altstadt

Viele Jahrzehnte lang verwendete eine chemische Reinigung in der Lemgoer Altstadt Perchlorethylen, um Fettflecken aus empfindlichen Textilien zu entfernen. Das ist zwar nach wie vor üblich. Allerdings weiß man heute um die negativen Auswirkungen, die PER auf die menschliche Gesundheit hat und verwendet es entsprechend umsichtig. Damals jedoch wurde PER in die Kanalisation abgeleitet. So konnte sich der Schadstoff unterhalb der Wäscherei und entlang eines alten Kanals im Boden ausbreiten. Diese Verunreinigung entfernt der AAV: Die Altlastensanierung mitten in der dichten Bebauung am Nordrand der historischen Innenstadt von Lemgo beginnt 2020 mit der Sanierung der ersten von drei Sanierungszonen.

Projektübersicht

Projektname:
Ehemalige chemische Reinigung Neue Torstraße / Alter Wallkanal in Lemgo

Projektzeitraum:
in Arbeit

Standort:
am Rand der historischen Altstadt von Lemgo

Fläche:
460 m2 (Schadensherd, ehemalige chemische Reinigung), weitere Verunreinigung entlang einer Strecke von ca. 100 m einer alten Kanalisation

Bisherige Nutzung:
chemische Reinigung mit Färberei und Wäscherei seit 1909, Insolvenz 2003, seit 2006 private Nutzung.

Belastung des Bodens durch:
leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW). Vor allem Perchlorethylen ist wegen seiner Fettlösekraft ein weit verbreitetes Mittel bei der Textilreinigung und wird heute in besonders gesicherten Anlagen eingesetzt. Deshalb gibt das „P“ auf Wäscheschildchen übrigens den Pflegehinweis auf die chemische Reinigung.

Besondere Herausforderungen:
Um den belasteten Boden auszutauschen, muss mit schwerem Gerät, unter anderem mit einem Großlochbohrgerät, gearbeitet werden. Deshalb ist erstens die Baustellen-Logistik in der engen Bebauung der historischen Altstadt sehr anspruchsvoll. Zweitens spielt die Information der Bürger und vor allem der direkten Nachbarn eine zentrale Rolle.

Kosten:
noch offen

Neue Nutzung:
eine Änderung der Nutzung ist nicht vorgesehen

Ein Baubüro, in dem sich Bürger informieren können, …

… richtete der AAV in direkter Nachbarschaft zur Baustelle ein, da die Sanierung auf engstem Raum und mit schwerem Gerät für einiges Aufsehen sorgen wird. Zudem trifft der AAV zahlreiche Sicherungsmaßnahmen, darunter die Online-Überwachung der Baustelle auf potenziell austretende Schadstoffe und die fortwährende Messung auftretender Erschütterungen. Darüber hinaus erfolgte eine Beweissicherung an umliegenden Gebäuden. So lässt sich später beurteilen, ob trotz aller Vorsicht die angrenzende Bebauung in Mitleidenschaft gezogen wurde.


Die ersten Vorarbeiten zur Baustelle begannen bereits im Winter.

Da das Grundstück der ehemaligen Färberei und Reinigung lediglich 460 Quadratmeter groß ist, mussten vor Beginn der Vegetationsphase in der angrenzenden Parkanlage Slavertor-Wall einzelne Bäume gefällt werden, um Platz für die Baustellen-Logistik zu schaffen. Auch eine Zufahrt für das schwere Baustellengerät muss an dieser Stelle neu eingerichtet werden. Nach Abschluss der Arbeiten werden natürlich neue Bäume gepflanzt.


Die Sanierung startet …

… mit dem Rückbau von zwei Teilgebäuden. Asbestzement, Teerpappe und weitere schadstoffhaltige Bauteile werden vorab ausgebaut und fachgerecht entsorgt. Dann wird die Bodenplatte entfernt. Und schließlich beginnen die verrohrten Großlochbohrungen, die für die benachbarte Bausubstanz das schonendste Verfahren sind. Denn direkt nach der Entnahme des belasteten Bodens aus jedem einzelnen Bohrloch wird dieses mit unbelastetem Material gefüllt, bevor die nächste Bohrung beginnt.


Um die Freisetzung von Schadstoffen zu unterbinden, …

… wird der entnommene Boden in gedeckelten Containern gesammelt. Zudem verhindert die Wasserhaltung über zwei Brunnen, dass Schadstoffe ins Grundwasser freigesetzt werden. Das geförderte Grundwasser wird vor der Einleitung gereinigt.


Da sich das PER im Boden ausgebreitet hat, …

… sind die Arbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Reinigung, auf zwei Nachbargrundstücken sowie in einem Stück des angrenzenden Parks nur die erste von insgesamt drei Sanierungszonen der gesamten Altlastensanierung. Auf einer Länge von 100 Metern gelangte der Schadstoff entlang des „Alten Wallkanals“ Richtung Westen. Da dieser rund 200 Jahre alte Kanal der damaligen Färberei und Reinigung als Vorflut diente, ist in diesem Areal der Boden stellenweise fast ebenso stark belastet wie am Schadstoffherd. Nach entsprechenden Feldversuchen muss das Sanierungskonzept für diesen Bereich noch konkretisiert werden.


Entdeckt wurden die Verunreinigungen, …

… nachdem der neue Eigentümer der ehemaligen Reinigung einen Bauantrag gestellt hatte, wodurch eine Bodenuntersuchung erforderlich wurde. So zeigte sich dann nach und nach, dass zusätzlich zur massiven PER-Verunreinigung auf dem Grundstück auch jahrzehntelang Reste von Lösemitteln und Schlämmen unsachgemäß in den Entwässerungskanal eingeleitet wurden.


Der Name „Neue Torstraße“ weist darauf hin:

Die Reinigung und Färberei, die bis 2003 fast 100 Jahre lang bestanden hatte, steht auf den Resten der früheren Befestigungsanlage der alten Hansestadt Lemgo. Hier war der nördliche Zugang durch die längst verschwundene Stadtmauer zur mittelalterlichen Handelsmetropole, die ihren Reichtum durch eine Stadtmauer, einen Graben und einen vorgelagerten Wall schützte. Der Wallgraben ist zwar längst verlandet, lässt sich jedoch im Bodenrelief zum Teil noch immer erkennen und ist deshalb als Bodendenkmal ausgewiesen. Die alten Befestigungsanlagen haben sich in eine öffentliche Parkanlage verwandelt, die ringförmig nahezu um die gesamte Altstadt verläuft. Am Standort der ehemaligen Reinigung heißt der Park „Slavertor-Wall“.

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