Ehemals Altlast,
heute begehrtes Grundstück.

Ausgewählte Projektbeispiele machen anschaulich, was genau das ist: Flächenrecycling und Altlastensanierung. Zwar kurz und knapp erzählen wir im Folgenden dennoch die kompletten Geschichten einzelner Standorte von der Entstehung der Bodenbelastung über unsere Sanierungsarbeiten bis zur heutigen Nutzung der Flächen.

Ausgewählte Projektbeispiele

Bleischrot und Tontauben belasten Boden

Im Naturschutzgebiet „Tenter Bach und Bökerbach“ betrieben die Kreisjägerschaft Remscheid e.V. und ihre Vorgänger-Organisationen zwischen 1926 und 1999 eine Anlage für Bahn- und Wurfscheibenschießen. Bleischrot und die Trümmer von Wurfscheiben belasten eine Fläche von rund 11.150 m2 so stark mit Blei, Antimon und Arsen sowie mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), dass eine Altlastensanierung mit anschließender Renaturierung nötig ist.

LCKW-Belastung im Boden der alten Hansestadt

Viele Jahrzehnte lang verwendete eine kleine chemische Reinigung in der Lemgoer Altstadt „Perchlorethylen“, um Fettflecken aus empfindlichen Textilien zu entfernen. Solche leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe (LCKW) waren höchst wirksam und weit verbreitet. Ihre schädliche Wirkung auf die menschliche Gesundheit ist erst seit relativ kurzer Zeit bekannt. Unterhalb der Wäscherei und entlang eines alten Kanals verbreitete sich der Schadstoff im Boden. Dies wurde bei umfangreichen Untersuchungen festgestellt. Eine Sanierung des Schadens ist vorgesehen.

Bodenaustausch bei laufender Produktion

Nach ihrer Insolvenz hinterließ eine Metallwarenfabrik im sauerländischen Sundern ein gut erschlossenes Gelände am Flüsschen Röhr, auf dem sich nach nur zwei Jahren ein neues Unternehmen ansiedelte. Voraussetzung dafür war die Sanierung des Bodens der Gewerbefläche, der mit Mineralölkohlenwasserstoffen und leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) belastet war. Obwohl sogar unterhalb einer Werkshalle der Boden ausgetauscht werden musste, gelang es dem AAV, die Fläche so zu sanieren, dass die laufende Produktion kaum gestört wurde.

Gasdränage schützt Gesundheit der Anwohner

Zu einem Refugium für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelte sich die ehemalige städtische Deponie am Südrand von Gladbeck. In der Tiefe jedoch zersetzt sich nach wie vor ganz allmählich der Hausmüll aus den 1960er und 1970er Jahren. Deponiegase wie Methan und Kohlendioxid, die dabei entstehen, könnten in jene Gebäude gelangen, die unmittelbar am Deponierand stehen. Um die Anwohner der Halde Ellinghorst davor zu schützen, baute der AAV zusammen mit der Stadt Gladbeck und dem Kreis Recklinghausen am Nordost- und Südostrand der Halde eine Gasdränage, die die flüchtigen Schadstoffe von Schul- und Wohngebäuden fernhält.

Schutz vor Schwermetall-Belastung des Grundwassers.

30 Jahre nach Ende des Erzabbaus im Tagebau „Maubacher Bleiberg“ im Kreis Düren sickerte mit Schwermetallen belastetes Wasser aus dem ehemaligen Absetzbecken mit Aufbereitungsrückständen und vergiftete die Becken einer Forellenzucht. Nach der ersten Gefahrenabwehr werden nun das Sanierungskonzept für die Bergehalde Beythal fortentwickelt und Maßnahmen zur Sanierung umgesetzt. Die wichtigsten Punkte sind die fortgesetzte Reinigung des Sickerwassers und die Eindämmung des Schadstoff-Austritts an der Halde.

AAV und Stadt Duisburg stemmen mehrjähriges Großprojekt.

Wie misst und bewertet man Bodenbelastungen, die sich über mehrere Stadtviertel einer Großstadt verteilen? Wie stimmt man notwendige Sanierungsmaßnahmen mit Hunderten unterschiedlicher Grundstückseigentümer ab? Und wie erstellt man einen Sanierungsplan für Hunderte unterschiedlich belastete Gärten? Gemeinsam meistern die Stadt Duisburg und der AAV diese enorme Herausforderung, ein erster Sanierungsabschnitt ist bereits erfolgreich abgeschlossen.

Ein neues Stück Natur im Wuppertaler Süden.

Den Standort einer ehemaligen Galvanik, der teilweise in ein Landschaftsschutzgebiet mit geschützten Biotopen ragte, sanierte der AAV in Wuppertal-Cronenberg, dem südlichsten Bezirk der 160.000-Einwohner-Stadt. Im Vordergrund stand die Gefahrenabwehr, denn im Untergrund des an dieser Stelle geschlossenen Galvanik-Betriebs gelangten Schadstoffe, darunter Chrom VI, ins Grundwasser. Nach der Sanierung und Renaturierung der Fläche bereichert diese wieder die Biotop-Vielfalt im Landschaftsschutzgebiet.

Gefahrenabwehr im Trinkwasser-Schutzgebiet.

Mehr als 100 Jahre lang wurden auf dem ca. 10.000 m² großen Standort der ehemaligen Dachpappenfabrik Dr. Kohl südlich der Dorstener Innenstadt Dachpappen auf Teer- und Bitumen-Basis gefertigt – mit gravierenden Schäden für die Umwelt, wie sich nach der Betriebsschließung im Jahr 2001 zeigte: Teeröl-Schadstoffe waren in den Boden gesickert und hatten sich im Grundwasser bis zu einem mehr als 100 Meter weit entfernten Bach ausgebreitet. Im nahegelegenen Schölzbach schimmerten immer wieder regenbogenbunte Ölschlieren und größere „Teerölpunkte“.

Baugrund für Familien am Bach.

Mehr als 40 Jahre lang formte die Firma Alfred Susan GmbH & Co. KG in Netphen mit Hydraulikpressen und Sickenmaschinen Blechteile – und ging dabei mit Schmiermitteln, Kraftstoffen und Hydraulikölen äußerst sorglos um. Nach der Insolvenz im Jahr 2002 hinterließ das Unternehmen verfallende Hallen und ein stark mit Mineralölen verunreinigtes Gelände. Der AAV sanierte den Boden tiefgreifend und nachhaltig, so dass 2014 am Lauf des Sieg-Zuflusses Netphe der Grundstein für das erste von insgesamt 15 Familien-Eigenheimen gelegt werden konnte.

Vom Schandfleck zum begehrten Wohnquartier.

Im Dreieck zwischen Hauptbahnhof, Innenstadt und dem grünen Band der Ringanlagen entstand in Hamm bis 2016 auf einer ehemals hochbelasteten Fläche ein Viertel, das bald nach seiner Bebauung zu einem der begehrtesten Wohnquartiere der 176.000-Einwohner-Stadt an der Lippe avancierte: das Museumsviertel. Dieses Schlüsselprojekt bei der Umgestaltung und Aufwertung der Hammer Innenstadt wurde ermöglicht durch die umfassende Sanierung und das Recycling der Fläche unter Federführung des AAV.

Kleine Helfer in der Tiefe.

Einige Schadstoffe verschwinden durch natürliche Abbauprozesse aus Boden und Grundwasser, ohne dass aufwändige Sanierungen nötig wären. Aber wie schnell schreitet der Abbau in der Tiefe voran? Bleiben die Schadstoffe an Ort und Stelle oder breiten sie sich im Grundwasser aus – und stellen dann doch eine Gefahr für Mensch und Umwelt dar? Solche Fragen lassen sich nur durch regelmäßige Beprobungen und Messungen beantworten. Für aromatische Kohlenwasserstoffe, typische Hinterlassenschaften historischer Tankstellen und der Kohleverarbeitung, entwickelte der AAV gemeinsam mit dem Technologiezentrum Wasser des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches ein innovatives, kostengünstiges Nachweisverfahren.