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11.09.2026

Entsiegelungsinitiative NRW

Flächenrecycling schafft Raum für neue Nutzungen und mehr Grün

Nordrhein-Westfalen startet Initiative für weniger Flächenversiegelung – Euskirchen zeigt, wie Flächenrecycling und Entsiegelung zusammenspielen können

„An Förderung mangelt es nicht. Mit der neuen Offensive machen wir gute Beispiele bekannt und bringen Land, Kommunen und Wirtschaft zusammen. Jeder versiegelte Quadratmeter, den wir entsiegeln und begrünen, hilft den Menschen in unseren Städten. Euskirchen zeigt, dass das auf innerstädtischen Industriebrachen gelingt.“ Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen

Rund 12,4 Prozent der Fläche Nordrhein-Westfalens sind versiegelt. Diese Flächen heizen sich bei sommerlichen Temperaturen besonders stark auf und können kaum Regenwasser aufnehmen. Das verstärkt die Hitze in den Städten und kann bei Starkregen das Risiko von Überflutungen erhöhen.

Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV) hat deshalb gemeinsam mit dem Trägerkreis „Allianz für die Fläche“ eine neue Entsiegelungsinitiative gestartet. Sie soll bestehende Fördermöglichkeiten, gute Praxisbeispiele und weitere Hilfestellungen bündeln und dazu beitragen, dass erfolgreiche Ansätze in immer mehr Kommunen und Projekten umgesetzt werden.

Vorgestellt wurde die Initiative am 11. September 2026 in Euskirchen. Dort entsteht auf dem Gelände eines ehemaligen Gaswerks das neue Quartier „City Süd“. Das rund 6.000 Quadratmeter große Areal war vollständig überbaut und durch die frühere industrielle Nutzung mit Schadstoffen belastet.

Aus der Industriefläche wird ein neues Stadtquartier

Der AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung hat die Sanierung des Geländes begleitet und das Projektmanagement übernommen. Auf der sanierten Fläche sollen künftig Wohnungen, Büros, ein Hotel und eine Kita entstehen.

Die Stadt Euskirchen entwickelt damit eine innerstädtische Industriebrache neu und nutzt vorhandene Flächen, anstatt zusätzliche Bauflächen am Stadtrand in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig bietet die Neuentwicklung die Möglichkeit, Freiräume und Grünflächen in das Quartier zu integrieren.

„Die Stadt Euskirchen versucht, jede Möglichkeit zum Verzicht auf Flächenversiegelung zugunsten von mehr Grün in der Innenstadt zu nutzen. [...] Auch die City-Süd soll zukünftig Raum für grüne Oasen bieten“, sagte Bürgermeister Sacha Reichelt.

Für AAV-Geschäftsführer Dr. Roland Arnz ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, welchen Beitrag Flächenrecycling zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung leisten kann: „Alte Gewerbeflächen sind fast immer vollständig versiegelt und häufig belastet. Wenn wir sie sanieren und neu nutzen, gewinnen die Städte Bauland und Grün zugleich.“

Der AAV unterstützt seine Mitglieder bei der Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Altlasten sowie bei der Aufbereitung von Brachflächen für eine neue Nutzung. Damit trägt der Verband dazu bei, vorhandene Flächen wieder nutzbar zu machen und den Verbrauch neuer Flächen zu reduzieren.

Zahlreiche Fördermöglichkeiten für Entsiegelung

Die Landesregierung hat sich in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel gesetzt, die Zunahme der Bodenversiegelung bis 2030 gegenüber 2024 zu verringern und den Übergang zu einer Flächenkreislaufwirtschaft zu gestalten.

Für Entsiegelungsmaßnahmen stehen bereits verschiedene Fördermöglichkeiten von Bund und Land zur Verfügung. Gefördert werden beispielsweise Maßnahmen auf Schul- und Kitahöfen, Parkplätzen, öffentlichen Plätzen und Brachflächen. Je nach Programm können bis zu 90 Prozent der Kosten übernommen werden. Auch private Eigentümerinnen und Eigentümer können Zuschüsse erhalten, etwa über das Haus- und Hofflächenprogramm.

Praktische Hilfestellung bieten unter anderem der Klimaatlas NRW, der Informationen zur Flächenversiegelung bereitstellt, sowie das Förder-Navi der Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW. Beratungsangebote gibt es außerdem beim ANK-Regionalbüro NRW und bei der Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW beim LANUK.

Allianz für die Fläche unterstützt die Initiative

Der Trägerkreis „Allianz für die Fläche“ setzt sich seit 2006 für einen sparsamen Umgang mit Flächen in Nordrhein-Westfalen ein. Rund 30 Fachleute aus Ministerien, Kommunen, kommunalen Spitzenverbänden, Verbänden, Kammern, Wirtschaft und Wissenschaft bringen ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen ein.

Mit einer gemeinsamen Erklärung unterstützen die Mitglieder die neue Entsiegelungsinitiative. Sie wollen gute Beispiele und Erfahrungen weitergeben und in ihren jeweiligen Organisationen und Netzwerken für die Möglichkeiten der Entsiegelung werben.

Erste Online-Veranstaltung am 17. September

Am 17. September 2026 findet eine erste Online-Veranstaltung zur Entsiegelungsinitiative.NRW statt. Auf dem Programm stehen aktuelle Zahlen, Fördermöglichkeiten und ein Praxisbeispiel der Stadt Mönchengladbach. Weitere Veranstaltungen sind geplant.

Weitere Informationen:

Entsiegelungsinitiative NRW